Ich bin der Meinung, dass wir in den Büros bzw. Abteilungen wieder zu mehr Kontakt, aber auch Mut zur Menschlichkeit kommen müssen.
Lange wurde einem alles, was eigentlich Spaß machte und für kurze Zeit zu einer Verbesserung der eigenen Stimmung geführt hätte, verboten. Davon ist man evtl. heute wieder weg. Es wird auch erlaubt, mal kurz eine Mail an einen Freund zu schreiben oder ein Telefonat mit der Frau zu führen. Dennoch wird erwartet, dass wir wie Maschinen am Pc hocken und am Fließband unsere Arbeit erledigen und entsprechende Resultate liefern.
In der heutigen Gesellschaft wird man zum Egoismus getrimmt, weil der Anschein besteht, dass man nur erfolgreich ist, wenn man besonders leistungsfähig, ehrgeizig, zielstrebig und aufopferungsvoll gegenüber der Firma ist. All das sind Eigenschaften, die ein Miteinander kaum zulassen. Es sind keine Eigenschaften, die von Teamfähigkeit sprechen.
Ich habe vor kurzem mit 16 Abteilungsleiter mit jeweils ca. 90 Mitarbeitern von Daimler gesprochen. Sie waren in einer psychosomatischen Klinik zu Besuch, um sich dort zu informieren, wie man am besten mit Mitarbeitern umgeht, denen es psychisch nicht gut geht, die beispielsweise ein Burnout oder Probleme mit Alkohol haben. Genau darin sehe ich die Chance von großen Unternehmen.
Burnout ist ein Phänomen, das immer häufiger auftritt, weil wir aus enormen Leistungsdruck und Ehrgeiz immer mehr Aufgaben übernehmen und für uns selbst keine Zeit mehr haben. Wann nimmt man sich schon mal bewusst die Zeit, einfach mal zu entspannen und richtig abzuschalten?
Ohne Telefon, ohne Musik, ohne Fernseher. Einfach mal hinlegen und nichts tun. Kommt wahrscheinlich selten vor. Immer ruft grad jemand an oder will irgendwer was von einem. Daher ist es Pflicht der Unternehmen, ihre Abteilungsleiter zu schulen und ihnen zu zeigen, wie sie mit ihren Mitarbeitern umgehen müssen. Und zwar nicht erst, wenn diese am Boden und nicht mehr arbeitsfähig sind. Möglicherweise bedeuten diese Schulungen Kosten. Vielleicht auch nicht gerade wenig Kosten. Aber der Gewinn besteht darin, dass die Mitarbeiter weniger krank sind, weniger Ausfälle haben und im ganzen Betrieb ein besseres Klima herrscht, was wiederum zu mehr Leistungsfähigkeit und einem besseren Ergebnis des Produktes führt.
Wir haben uns angewöhnt, Privates von Beruflichem komplett zu trennen. Das mag auch gut sein, denn wer will schon, dass der Chef von der eigenen Ehekrise weiß!? Auch möchte sicherlich niemand, dass der Chef weiß, dass man vielleicht momentan total am Boden ist und öfter mal etwas mehr trinkt, als einem gut tut. Das könnten ja Kündigungsgründe sein.
Ich jedoch vertrete die Meinung, dass genau das eigentlich Ziel unserer Gesellschaft werden müsste. Die Vermischung von Persönlichem mit dem Beruf. Aus eigener Erfahrung weiß ich, was es heißt, dauerhaft vor anderen eine Maske zu tragen und sich mehr in einer Rolle zu fühlen, statt als echter Mensch. Wir passen uns an, wir stimmen Dingen zu, weil wir uns nicht mehr trauen, nein zu sagen. Wir stehen nicht mehr zu unserer eigenen Identität, denn das hieße ja evtl., dass wir zugeben müssten, dass unser Leben gar nicht so toll ist, wie wir es nach außen vermitteln.
Was würde es bedeuten, wenn diese Schwächen ans Tageslicht kämen?
Es würde Ansehensverlust bedeuten. Das jedenfalls denken wir. So wird es uns seit Jahren beigebracht und dieser Irrglaube wird uns seit der Kindheit vermittelt. Immer und immer wieder. Mittlerweile glauben wir sogar, dass wir genau das schon durch eigene Erfahrungen erlebt haben.
Ich denke jedoch, dass das nicht der Realität entspricht. Die wenigsten werden es jemals ausprobiert haben, über ihre wahren Probleme und Gedanken zu sprechen. Wie kann man diese dann seinem Chef erzählen? Mein Vorschlag ist, nicht etwa jedes kleine Problem seinem Chef mitzuteilen, jedoch eine gewisse Offenheit zumindest dem Teamleiter gegenüber zu haben. Es geht nicht darum, bemitleidet zu werden oder Sondergenehmigungen zu bekommen, weil es einem grad nicht gut geht.
Es geht darum, wieder Menschlichkeit an den Arbeitsplatz zu holen, um Burnout und schlechte Stimmung zu verhindern. Ein stetiger Austausch mit seinen Kollegen befreit einen selbst und stärkt das Gruppengefühl. Ganz biologisch betrachtet, sind wir Rudeltiere. Das heißt, wir brauchen eine Gruppe, ein Team, in dem wir uns anerkannt fühlen. Jeder von uns fühlt sich erst dann wirklich wohl, wenn er merkt, dass man auf ihn achtet, dass man darauf eingeht, wenn man gerade einen schlechten Tag hat und dann nicht ebenso viel von dieser Person an Arbeitspensum verlangt.
Je offener die Beziehung zu den Kollegen, desto entspannter die Arbeitsatmosphäre und desto lockerer und leichter fällt einem die Arbeit. Das Arbeiten wird angenehmer und man ist viel schneller fertig. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich sehr gut 10 Dinge auf einmal tun kann. Mit fünf Leuten auf einmal chatten, nebenbei mit meiner Mutter telefonieren und gleichzeitig noch Musik hören oder den Fernseher laufen zu lassen. All das ist möglich. Aber wenn mich eine Aufgabe wirklich interessiert und ich mit Herz und Seele dabei bin, dann nehme ich mir nur für diese eine Aufgabe Zeit. Ich schalte MSN ab. Okay, ich höre nebenbei Musik. Das entspannt mich und das sollte doch auch am Arbeitsplatz möglich sein?!
Wieso nimmt man den Leuten die Mittel, die sie zu mehr Effizienz bringen würden?! Es sollte mehr gefördert werden, dass Abteilungen sich untereinander besser kennenlernen und mehr Austausch haben. Das kann durch Gruppengespräche, aber auch durch gemeinsame Kneipengänge passieren.
Ich kenne so viele Menschen, die nicht einen ihrer Freunde auf dem Arbeitsplatz haben. Aber sie legen auch keinen Wert darauf, sich mit einem von dort wirklich anzufreunden. Dabei wäre gerade das die Lösung vieler Probleme.
Stattdessen versteckt man sich hinter seiner Arbeit und früher oder später fühlt man sich dot nicht mehr wohl und die Arbeit wird mehr zur Last, als zur Ausübung einer angenehmen Tätigkeit. Höchstes Ziel einer jeden Firma sollte also sein, möglichst jedem Mitarbeiter ein gutes Arbeitsklima zu schaffen. Und das gelingt nur, wenn man für Aussprache zwischen den Kollegen, aber auch Abteilungsleitern sorgt.
Die Abteilungsleiter wiederum müssen zur Verschwiegenheit aufgefordert werden. Sie sollten die Rolle eines Mediators innehaben und alle Informationen, die sie erhalten, für sich behalten.
Dieses Vertrauen auch unter den Mitarbeitern zu stärken, ist sicher eine längerfristige Aufgabe, aber sie ist sinnvoll und sie würde zum Erfolg führen.